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KOPFSACHE Teil 2/2: Wie Flow dich Träume leben lässt

von Jamila | 4. Oktober 2016

Lesezeit: 8 Minuten

Kategorie: Wissen: dein Kopf

Zusammenfassung: Flow beschreibt den Zustand, in dem du deine mentale Energie am effizientesten nutzt und keine Kräfte auf Nebensächlichkeiten verschwendest. Flow tritt bei der idealen Kombination von deinem eigenen Können in Bezug auf die jeweilige Herausforderung auf. Du kannst Flow in jeder Aktivität finden und somit auch deine zielführenden Aufgaben in optimale Erfahrungen transformieren.

Absoluter Fokus, volle Konzentration, dein Ziel klar vor Augen – nichts kann dich aufhalten. Zeit spielt keine Rolle. Das Leben um dich herum steht still: du bist im Flow. Das ist die optimale Erfahrung.

In KOPFSACHE Teil 1/2: warum dich ein starker Körper deinen Zielen näher bringt haben wir das Konzept mentaler Energie von Daniel Kahneman vorgestellt und aufgezeigt, wie sehr dein Körper Einfluss auf dein Leistungspotenzial hat. Ein entscheidender Weg zur kontinuierlichen Erhöhung deiner limitierten mentalen Energie ist über energiereiche Nahrung und physische Stärke. Im nächsten Schritt stellt sich die Frage: wie kannst du diese neugewonnene Energie bestmöglich nutzen?

Neben Kahneman’s Schnelles und Langsames Denken hat die Idee von Flow uns tief geprägt. Flow ist ein Konzept des Psychologen Mihaly Csiksgentmihalyi (Aussprachehilfe: chick-SENT-me-high), der die wissenschaftliche Erforschung dieses Zustands in seinem Werk Flow: Das Geheimnis des Glücks teilt.
Flow ist der Zustand, in dem du deine mentale Energie am effizientesten nutzt (Csiksgentmihalyi verwendet hier den Begriff “psychische Energie”, um es nicht unnötig komplizierter zu machen, bleibe ich der gleichzusetzenden “mentalen Energie”).

Wenn du im Flow bist bündelst du deine Kräfte so, dass du komplett in deine Tätigkeit involviert bist; in diesem Moment bist du dir nicht deines Selbsts bewusst, machst dir keine Gedanken über die Meinung anderer und lässt dich auch sonst nicht ablenken. Die Aktivität wird spontan, fast automatisch und trägt dich deinen Zielen entgegen. Die Erfahrung selbst fühlt sich zwar mühelos an, allerdings bedeutet Flow im Gegensatz zu deiner Wahrnehmung starke körperliche Anstrengung oder hoch disziplinierte mentale Aktivität. Deine Energie wird in diesem Moment ausschließlich von deiner Handlung konsumiert, und ganz wichtig: du benötigst keine Energie zur Selbstbeherrschung, bist scheinbar mühelos konzentriert und abgeschirmt von störenden Einflüssen. Im Flow ist deine mentale Energie optimal auf deine Zielerreichung fokussiert und du verschwendest keine Kräfte auf Nebensächlichkeiten.

Mit Sicherheit hast du Flow schon einmal erlebt. Du kannst diesen Zustand tatsächlich in jeder vorstellbaren Aktivität erfahren: zum Beispiel beim Sport, bei kreativen Tätigkeiten, vielleicht beim Kochen und auch in deiner Arbeit.

Das Phänomen der Flow Erfahrung wird nach den Studien von Csiksgentmihalyi durch folgende wesentliche Komponenten charakterisiert. Menschen, die ihre Erfahrung reflektieren, nennen mindestens eine, oft alle von diesen:

Realistische, aber fordernde Ziele: Flow findet statt, wenn dich eine Aufgabe an die Grenze deiner Fähigkeiten bringt. Hier geht es um die ideale Kombination von Herausforderung und eigenem Können. Denn: eine zu einfache Aufgabe wird schnell langweilig – eine unmögliche frustriert dich. Eine Aktivität kann je nach der Übereinstimmung mit deinen Erwartungen und Fähigkeiten entweder voller Möglichkeiten oder aber bedeutungslos wirken. So sehen viele nicht mehr als einen Gesteinsbrocken in einem Fels, ein Kletterer sieht jedoch endlose Gelegenheiten mentaler und physischer Herausforderungen.

Aktivität und Aufmerksamkeit werden Eins: Dies ist eines der universellsten Merkmale von Flow. Wenn all deine relevanten Fähigkeiten benötigt werden, um die aktuelle Aufgabe zu meistern, wird deine Aufmerksamkeit vollständig von dieser Aktivität absorbiert. In diesem Augenblick hast du keine mentale Energie übrig, um irrelevante Informationen zu verarbeiten. So beschreibt ein Studienteilnehmer einen so hohen Fokus beim Klettern in der Steilwand, dass er sich selbst nicht mehr als von der Aktivität getrennt wahrnimmt.

Klar formulierte Ziele mit direktem Feedback: Das Ziel für einen Kletterer an der Steilwand ist simpel: oben ankommen ohne abzustürzen. In jedem Moment erhält er dabei die Rückmeldung, ob er dieses Ziel gerade erreicht.
Es wird nicht immer so offensichtlich sein und auch nicht so zeitnah, aber das Prinzip bleibt: im Flow hast du deine individuellen Ziele vor Augen und erhältst die symbolische Nachricht, erfolgreich zu sein. Das konstante Feedback gibt dir Struktur in deiner Aktivität.

Absolute Konzentration auf die Aktivität: Dein Alltag erfordert selten deine volle Konzentration und so schleichen sich häufig Sorgen und Ängste ein, die den Fluss deiner mentalen Energie unterbrechen. Im Flow jedoch sind alle Bedenken fern und nur sehr ausgewählte relevante Informationen haben Zugang zu deinem Bewusstsein. Wie ein Kletterer es beschreibt; es fühlt sich an, als sei die Erinnerung abgeschnitten – er kann sich nur an die letzten 30 Sekunden erinnern und nur die nächsten 5 Minuten sind entscheidend.

Ausübung von Kontrolle: Flow wird oft ein Gefühl von Kontrolle zugeschrieben. Um genauer zu sein: die Abwesenheit von Kontrollverlust, wie er oft im Alltag erlebt wird. Du kennst deine Ziele, bist vorbereitet und weißt was du kannst. Mit Hilfe deiner Erfahrung und Fähigkeiten schätzt du Risiken korrekt ein und kannst so Fehler minimieren. Eine letzte Metapher des Kletterns: Kletterer identifizieren zwei Arten von Gefahren: zum einen objektive, etwa unkontrollierbare Ereignisse wie Stürme, auf die man sich bedingt vorbereiten kann. Auf der anderen Seite subjektive Gefahren, die vom Mangel der eigenen Fähigkeiten ausgehen. Bei der Ausübung der Aktivität geht es darum, objektiven Gefahren so weit wie möglich aus dem Weg zu gehen und subjektive Gefahren gänzlich zu eliminieren, um einem Risiko von null so nah wie möglich zu kommen. Hierbei geht es nicht um das tatsächliche Risiko, dem du dich in der Flow Aktivität aussetzt, sondern um die Möglichkeit, Risiko oder Fehler zu minimieren. Was dir im Flow Freude bringt ist nicht in Kontrolle zu sein, sondern das Gefühl, in schwierigen Situationen Kontrolle auszuüben.

Das fehlende Sich-seiner-selbst-bewusst-sein: Du kannst nicht gleichzeitig eine Grenzerfahrung meistern und darüber nachdenken, ob deine Frisur sitzt. Das ist ein Kernaspekt von Flow: es ist kein Platz für Selbstzweifel. Als soziales Wesen neigen wir dazu, der Akzeptanz und Meinung anderer eine große Bedeutung beizumessen. So denkst du wahrscheinlich häufig auch darüber nach, was andere über dich denken könnten. Jedes Mal wenn das passiert, verschwendest du mentale Energie, die du verwenden könntest um dein Ziel schneller zu erreichen. Weil im Flow die Aktivität aus klaren Zielen, beständigen Regeln, und auf dein Können angepasste Herausforderungen besteht, existiert keine Bedrohung deines Selbsts. Manche Menschen beschreiben diese Erfahrung sogar als ein Gefühl des Einswerdens mit der Umgebung.

Veränderte Wahrnehmung der Zeit: Hier ist man sich nicht ganz sicher, ob diese Eigenschaft ein Nebenprodukt des Flows ist oder im Kern zu der Erfahrung beiträgt. Was feststeht ist, dass du im Flow ein von der Uhr losgelöste Wahrnehmung der Zeit hast. Es gilt das Tempo deiner Aktivität mit der eigenen Abfolge von Ereignissen und Meilensteinen. Meistens verfliegen im Flow Zustand Stunden wie Minuten, aber auch umgekehrt können wenige Augenblicke in vermeintlich lange Minuten gezogen werden.

Warum ist Flow für dich so wichtig? Du kannst mit Hilfe des Flow Konzepts jedes Problem in eine schaffbare Herausforderung transformieren. Und: ein Leben im Flow bedeutet die Abwesenheit von Ängsten und Zweifeln. Da du dich im Flow immer wieder Herausforderungen stellst und diese meisterst, wirst du deine Fähigkeiten Stück für Stück verbessern. So kannst du dir immer größere Ziele setzen. Ein Leben im Flow macht dich stark und lässt dich deine Träume leben.

Wir unterstützen dich mit KOPFSACHE, auf deine Ziele abgestimmte Aktivitäten in Flow Erfahrungen zu transformieren.

Neben Tipps und Wissen zur Maximierung deiner mentalen Energie in der Kategorie Körper wirst du hier unter Kopf bald viele Beiträge zur optimalen Nutzung dieser finden. Dein volles Leistungspotenzial zu erreichen erfordert mentale Stärke – die kannst du lernen. Dazu gehören innere Klarheit über deine Ziele und Prioritäten, das Etablieren von nutzbringenden und Ablegen von destruktiven Gewohnheiten, die Entwicklung methodischer Denkmuster und nicht zuletzt regelmäßige Reflexion.

Das ist für die Zukunft. Heute hast du schon Folgendes gelernt:

  • Durch Stärkung deines Körpers kannst du das limitierte Budget mentaler Energie erhöhen. Wie du diese mentale Energie nutzt, bestimmt zu welchem Grad du deine Ziele verwirklichen kannst.
  • Flow, auch als optimale Erfahrung bezeichnet, ist das Konzept, das deine mentale Energie mit der höchsten Effizienz verwendet. Flow beschreibt einen Zustand, indem deine ganze Aufmerksamkeit von einer kognitiven und/oder physischen Aktivität absorbiert wird. In diesem Moment verbrauchst du weder zusätzliche mentale Energie zur Ausübung von Selbstbeherrschung noch zur Verarbeitung externer Stimuli.
  • Flow selbst ist nicht nur effizient, sondern ein Erlebnis, dass dir tiefe Freude bereitet.
  • Du kannst Flow in jeder Aktivität finden, also auch deine individuellen zielführenden Aufgaben in optimale Erfahrungen umwandeln.

Wie du von der Kenntnis des Flow Konzepts unmittelbar profitieren kannst:

  • Reflektiere den Verbrauch deiner mentalen Energie. Werde dir bewusst über die Fluktuation deiner Aufmerksamkeit. Achte auf Störungen und Aktivitäten, die deine Energie absorbieren, ohne dich deinen Zielen näher zu bringen. Und umgekehrt: vielleicht gibt es Bereiche in denen du Flow erlebst? Kannst du die beschriebenen Merkmale in deinem persönlichen Erfahrungsschatz wiederfinden?
  • Experimentiere mit Flow. Mache erste Versuche um das Konzept zu verinnerlichen. Du kannst Flow auch in sehr einfachen Aktivitäten erleben – es muss nicht gleich Klettern sein. Folge diesen wesentlichen Schritten:

    1. Definiere dein Ziel und entsprechende Unterziele.
    2. Definiere wie du Fortschritt in Bezug auf die festgelegten Ziele messen kannst.
    3. Konzentriere dich auf deine Aktivität und beginne die Herausforderungen der Aufgabe immer differenzierter zu betrachten.
    4. Entwickle die benötigten Fähigkeiten um alle Möglichkeiten wahrzunehmen.
    5. Passe die Zielsetzung an, wenn es zu langweilig wird.
  • Flow ist ein universelles Prinzip von dem alle profitieren können. Wenn du deine Tage im Flow verbringst, wirst du mehr von dem tun, was dich glücklich macht. Auch wenn der Weg dorthin anstrengend sein kann; wir haben das Glück auf die Ergebnisse jahrzehntelanger wissenschaftlicher Arbeit Csiksgentmihalyi’s und seiner Kollegen zurückgreifen zu können.

Für alle Wissbegierigen: Quellen

Flow: Das Geheimnis des Glücks – Mihaly Csiksgentmihalyi

Jeder Beitrag auf Kopfsache beabsichtigt, dich deinem vollen Leistungspotenzial näher zu bringen. Wir teilen Wissen, Erfahrungen und Perspektiven – du entscheidest, was für dich funktioniert. Um stetig besser zu werden, freuen wir uns richtig über deine Ideen und Feedback, vielleicht als Kommentar hier unten, oder hier, und bei Facebook ist auch super.

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