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Priming: Das Phänomen, mit dem du dich fitter reden kannst

von Jamila | 25. Oktober 2016

Lesezeit: 3 Minuten

Kategorie: Quick Wins für den Körper

Zusammenfassung: Du kannst dich tatsächlich fitter reden. Dahinter steckt der Priming-Effekt: Wenn du vor und während des Trainings Reizen ausgesetzt bist, die Schnelligkeit, Stärke und Erfolg symbolisieren, steigert dies die Leistungsbereitschaft deines Körpers. Motivierende Worte und Gedanken erhöhen deine sportliche Leistungsfähigkeit.

Ich habe mich zu einer 30-tägigen Seilspring-Challenge angemeldet. Kurze, effektive Workouts mit dem eigenen Körpergewicht, die du überall machen kannst – das klingt richtig gut, dachte ich mir. An Tag 4 brennen meine Waden und ich halte an Treppen den Verkehr auf.

Jeden Tag erhöht sich die Intensität. Um dennoch dabei zu bleiben, sage ich mir vor den Workouts Parolen auf wie: „Schmerz ist nur Schwäche, die den Körper verlässt” – ein bisschen jämmerlich, ich weiß. Aber wie die Wissenschaft bewiesen hat, tatsächlich effektiv: Du kannst allein mit Worten und Gedanken deine sportliche Leistungsfähigkeit steigern.

Priming: wie es funktioniert

Dahinter steckt der Priming-Effekt. Priming beginnt mit einem Reiz, den du vielleicht noch nicht mal bewusst registrierst. Dies kann ein Wort, Geräusch oder anderes Ereignis sein. Ähnlich wie beim assoziativen Denken arbeitet dein Unterbewusstsein nun mit diesem Reiz.

Du wirst mit höherer Wahrscheinlichkeit an themenbezogene Worte und Konzepte denken. Sogar deine Handlungen und Emotionen werden von diesem Reiz beeinflusst.

Priming ist ein Phänomen, welches in deinem Unterbewusstsein stattfindet. Der eigentliche Prozess widerspricht somit deinem subjektiven Erleben von Geschehnissen und kausalen Zusammenhängen. Wie Nobelpreisträger Daniel Kahneman erklärt, müssen wir akzeptieren, dass wir in vielen Situationen von unterbewussten Vorgängen gesteuert werden.

Eines der anschaulichsten Beispiele für den Priming-Effekt ist ein Experiment von John Bargh und Kollegen, welches den Begriff “Florida-Effekt” geprägt hat.

Er bat zwei Studentengruppen, eine simple Aufgabe durchzuführen: aus einer Gruppe von fünf Wörtern sollten die Studenten Sätze mit vier Wörtern kreieren. Dabei erhielt die eine Gruppe Worte, die – in den USA – mit älteren Menschen assoziiert werden, zum Beispiel “Florida”, “vergesslich” oder “Falte”. Der entscheidende Teil des Experiments folgte danach: Die Studenten wurden gebeten, zu einem anderen Büro am Ende des Flurs zu gehen und dort eine weitere Aufgabe zu lösen. Die Studentengruppe, die sich mit den altersbezogenen Formulierungen beschäftigt hatte, ging signifikant langsamer, als die Kontrollgruppe. Keiner der Studenten war sich dessen bewusst und alle beteuerten, ihre Handlungen seien nicht von den Worten im ersten Experiment beeinflusst worden.
Der von Bargh beobachtete Priming-Effekt hat gleich doppelt gewirkt. Zunächst hat das entsprechende Vokabular Gedanken an das hohe Alter hervorgerufen, obwohl das Wort “alt” nie erwähnt wurde. In der zweiten Phase haben diese Gedanken zu einem Verhalten – dem langsamen Gehen – geführt, welches mit Betagtheit assoziiert wird.

Das Priming-Phänomen konnte auch in anderen Szenarien wiederholt nachgewiesen werden: Menschen, die lächelten, fanden ein Cartoon deutlich lustiger, als Menschen, die die Stirn runzelten. Menschen, die beim Hören einer Botschaft mit dem Kopf nickten, stimmten dieser zu, während ein Kopfschütteln zur Ablehnung führte.

Priming für deine persönlichen Ziele

Wenn du den Mechanismus von Priming akzeptierst, kannst du ihn dir zunutze machen: Verwende starke, motivierende und positive Sprache/Gedanken vor deinem Training. Vermeide negatives Vokabular. Es klingt fast zu einfach, aber in diesem Fall wirst du durch Reden leistungsfähiger.

Natürlich kannst du das Konzept auch auf viele andere Lebensbereiche übertragen.

Probier es doch einfach bei deinem nächsten Training aus. Und lass mich in den Kommentaren wissen, ob du den Priming-Effekt spüren kannst.

Jetzt wartet mein nächstes Seilspring-Workout auf mich. Schmerz ist nur Schwäche …, Schmerz ist nur Schwäche …

PS: Warum ich trotzdem Seilspringen für ein spitzen Training halte, werde ich bald berichten.

Für alle Wissbegierigen: Quellen

  1. Schnelles Denken, langsames Denken – Daniel Kahneman
  2. Automaticity of Social Behavior: Direct Effects of Trait Construct and Stereotype Activation on Action – John A. Bargh, Mark Chen, and Lara Burrows 1996

Für alle Motivierten: 5:50 Minuten pures Motivations-Priming

How bad do you want it? – mit Football Spieler Giavanni Ruffin und Eric Thomas aka ET The Hip Hop Preacher

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